Die Präsidentschaftswahl in den USA

- Das Weiße Haus, Amtssitz des Präsidenten
Am 6. November 2012 stellt sich der einstige Hoffnungsträger Barack Obama der Wiederwahl. Die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern sind verhärtet und die radikale Tea-Party drängt als neue politische Kraft nach vorne. Ob Schuldenkrise, verschärfte soziale Gegensätze oder militärischer Einsatz in Afghanistan: Die innen- und außenpolitische Handlungsfähigkeit des Präsidenten ist geschwächt, die republikanische Konkurrenz steht in den Startlöchern. Die Kandidatenkür der Republikaner hat am 3. Januar 2012 in Iowa begonnen. Bis zur letzten Vorwahl am 26. Juni in Utah suchen sie den Herausforderer Obamas.
Der Demokrat Barack Obama war am 4. November 2008 zum ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Mit seinem Wahlslogan "Yes, we can." hatte er im ganzen Land die Hoffnung auf einen Wechsel zum Guten geweckt. Doch seit er in der Regierungsverantwortung steht, hat Obama mit immensen Problemen zu kämpfen. Die US-Wirtschaft steckt immer noch tief in der Wirtschafts- und Finanzkrise, die Arbeitslosenquote ist weiterhin hoch. Dazu kommen noch das gigantische Haushaltsdefizit der USA und diverse internationale Krisen, die zu meistern sind. "Das Hoffnungsplakat ist ein wenig vergilbt und hat ein paar Eselsohren bekommen," sagte Obama neulich in San Francisco.
Viele Amerikaner sind mit ihrem derzeitigen Präsidenten unzufrieden. Und doch ist die Wahl für Obama nicht verloren, da die Republikaner keinen Kandidaten zu bieten haben, der auch nur im Ansatz eine Begeisterung wie Obama 2008 auszulösen vermag. Seit dem 3. Januar laufen die Vorwahlen der Republikaner. Nach den bisher gewonnenen Vorwahlen gilt Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, als künftiger Herausforderer des Präsidenten. Rick Santorum, erzkonservativer Ex-Senator aus Pennsylvania, entwickelte sich zwar im Laufe der Vorwahlen zu einem weiteren Favoriten, doch erklärte er am 10. April das Ende seiner Kandidatur. Damit steht zu gut wie fest, dass Mitt Romney der republikanische Herausforderer von Präsident Barack Obama wird.
Der Weg zur Präsidentschaft
Bei der Präsidentschaftswahl bestimmen die Bürgerinnen und Bürger, wer für die nächsten vier Jahre ihr Präsident und wer ihr Vizepräsident werden soll. Es handelt sich um eine indirekte Wahl, bei der zunächst ein Wahlmänner- und -frauenkollegium (Electoral College) gewählt wird, welches wiederum den Präsidenten und Vizepräsidenten wählt.
Aus diesem Grund muss, wer amerikanischer Präsident werden will, nicht unbedingt die Mehrheit der insgesamt abgegebenen Stimmen der Bürgerinnen und Bürger des Landes erreichen. Entscheidend ist, die absolute Mehrheit des Electoral College von 270 Stimmen auf sich zu vereinigen. Die Wahlmänner und -frauen verteilen sich nach Bundesstaaten und nach dem Prinzip "the winner takes it all". Das heißt, der Kandidat, der in einem Bundesstaat siegt, bekommt alle Wahlmänner- und -frauenstimmen dieses Bundesstaates. Kalifornien, mit seinen mehr als 33 Millionen Einwohnern die Nummer eins, hat insgesamt 55 Stimmen, gefolgt von Texas mit 34, New York mit 31 und Florida mit 27. Kleine Staaten wie Vermont, North Dakota oder Wyoming und auch der District of Columbia stellen nur drei Wahlfrauen und -männer. Sie alle bilden das Electoral College, das indessen nie als Ganzes tagt.
Nach der Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 (election day) treffen sich am 17. Dezember (41 Tage nach der Wahl) im Kapitolsgebäude jedes Bundesstaates die jeweiligen Wahlmänner und -frauen, um ihre Stimmen für den Präsidenten und den Vizepräsidenten der USA abzugeben. Ihre Stimmzettel werden eingesammelt, versiegelt und an den Präsidenten des Senats in Washington gesandt.
Dieser zählt sie Anfang Januar 2013 in einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus aus und verkündet das Ergebnis: Präsident wird, wer mindestens 270 der 538 Wahlmänner- und -frauenstimmen auf sich vereint, also eine mehr als die Hälfte. Streng genommen ist erst dann geklärt, wer die Wahl gewonnen hat, doch weiß man dies natürlich aufgrund der Auszählungsergebnisse schon meistens in der Wahlnacht.
Die Amtszeit des Präsidenten beginnt mit dem Tag der Amtseinführung, der immer auf den dem Wahltermin folgenden 20. Januar fällt.
Die letzte Präsidentschaftswahl fand am 4. November 2008 statt. Der Demokrat Barack Obama wurde zum Präsidenten und Joe Biden zu seinem Vizepräsidenten gewählt.
Bis zur nächsten Präsidentenwahl im November dauert es noch eine ganze Weile. Doch der Wahlkampf hat in den USA schon begonnen. Vor der eigentlichen Wahl stehen die Vorwahlen, durch die die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Republikaner bestimmt werden. Diese beginnen am 3. Januar 2012 in Iowa und enden am 26. Juni in Utah.
US-Vorwahlen
Bevor die Amerikaner im November 2012 ihren Präsidenten wählen können, müssen die beiden großen Parteien Demokraten und Republikaner zunächst ihren Präsidentschaftskandidaten auf ihren großen Parteitagen nominieren. Dieser Nominierung geht ein langwieriges und kompliziertes Auswahlverfahren voraus, das den Wahlkampf schon lange vor der Präsidentenwahl beginnen lässt. In den USA bestimmen nämlich nicht die Parteigremien, wer der Spitzenkandidat wird, sondern die Bürgerinnen und Bürger in allen 50 Bundesstaaten. In vielen Staaten muss man nicht Parteimitglied sein, um an den Vorwahlen teilzunehmen zu dürfen, sondern nur angeben, in welchem Lager man abstimmen möchte.
Formal werden bei den Vorwahlen nur die Delegierten für den Nominierungsparteitag gewählt. Allerdings sind diese in der Regel auf einen bestimmten Kandidaten festgelegt, weshalb das Ergebnis der Nominierung häufig schon in der Mitte der Vorwahlsaison feststeht. Die Vorwahlen finden in der Zeit von Januar bis Juni des Wahljahres statt. Die Nominierungsparteitage (National Convention) folgen dann für die Republikaner vom 27. - 30.8.2012 und für die Demokraten vom 3. - 6.9.2012. Erst auf diesen nationalen Parteitagen werden die Präsidentschaftskandidaten offiziell gekürt.
Das amerikanische Vorwahlsystem ist sehr kompliziert, da es keine landesweit einheitlichen Regeln gibt, die verbindlich bestimmen, wie Republikaner und Demokraten ihre Präsidentenkandidaten aufstellen sollen. Stattdessen hat jeder Bundesstaat ein eigenes Wahlsystem entwickelt. Dabei haben sich zwei Grundwahlverfahren herausgebildet: die Primaries und Caucuses.
Primaries und Caucuses
Je nach Bundesstaat gibt es Vorwahlen (Primaries) oder die parteiinternen Wahlversammlungen (Caucuses) der Parteien. Die Parteien sind in ihrer Gestaltung frei und legen auch unterschiedliche Regeln fest. Seit den siebziger Jahren, als die Demokratische und die Republikanische Partei anfingen, die Regeln für die Auswahl ihrer Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten zu überarbeiten, ist das System im Fluss. Im Gegensatz zum Wahlmännerverfahren für die Wahl des Präsidenten ist das Verfahren zur Nominierung von Präsidentschaftskandidaten nicht in der amerikanischen Verfassung verankert.
In Caucuses werden die Delegierten für die Nominierungsparteitage der Parteien (national convention), auf denen der Präsidentschaftskandidat offiziell nominiert wird, von lokalen oder regionalen Parteitagen oder Nominierungsversammlungen bestimmt. Dabei kommen die Anhänger einer Partei in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zusammen und beraten dort darüber, welchen Präsidentschaftskandidaten die Partei unterstützen möchte. Für den Caucus gelten in jedem Bundesstaat andere Regeln. Das Wort stammt aus der Indianersprache und bezeichnete ursprünglich einen Stammesrat. Die Versammlungen dauern unterschiedlich lange. Zu den Wahlversammlungen beider Parteien sind nur registrierte Parteianhänger zugelassen. Wegen des aufwendigen Verfahrens nimmt gewöhnlich nur eine kleine Zahl der Parteianhänger an den Caucuses teil.
Die Primaries kommen der demokratischen Transparenz innerhalb der Parteien mehr entgegen, vor allem die "open primaries". An diesen dürfen alle Wahlberechtigen teilnehmen und wählen, eine Mitgliedschaft in der Partei oder auch nur eine ausdrückliche Parteipräferenz sind dazu nicht erforderlich. Beim Verfahren der "closed primary" muss sich jeder Wähler öffentlich zu seiner Parteipräferenz bekennen. Auch hier ist es aber nicht notwendig, Mitglied einer Partei zu sein. Es genügt, die eigene Zugehörigkeit zu einer Partei auszudrücken, indem man sich für die Teilnahme an der Vorwahl registriert oder auch nur durch die Teilnahme selbst.
Kandidaten

- Foto: Pete Souza, The Obama-Biden Transition Project. Lizenz: CC BY 3.0.
Für die Demokraten tritt Amtsinhaber Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl erneut an. Sechs Monate vor der US-Präsidentenwahl eröffnete er am 5. Mai offiziell seinen Wahlkampf. Sein neuer Wahlkampfslogan lautet "Forward" (vorwärts). Er will das Land voranbringen. Doch zog er bei Kundgebungen in zwei besonders umkämpften Bundesstaaten auch eine selbstbewusste Bilanz seiner ersten Amtszeit: Irakkrieg beendet, Bin Laden tot, die Wirtschaft wächst. Dennoch brauche er vier weitere Jahre.
"Ich garantiere Euch, wir werden dieses Land nach vorne bringen. Wir werden zu Ende bringen, was wir angefangen haben", rief Obama seinen Anhängern in Virginia zu. Zuvor war er bereits in Ohio aufgetreten. In beiden Bundesstaaten sagen die Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney bei der Präsidentschaftswahl im November voraus. Der Präsident versucht mit seinem Wahlkampf, die Welle der Begeisterung von 2008 wieder aufleben zu lassen. Während Obama vor vier Jahren auf die Schlagworte "Hope and Change" (Hoffnung und Wandel) gesetzt hatte, wählte er für seine Kampagne nun den Slogan "Forward" (vorwärts) – als Gegenentwurf zur Politik der gegnerischen Republikaner, die der Demokrat als rückwärtsgewandt brandmarkte.
Obama pries die Gesundheitsreform als zentrale Leistung seiner ersten Amtszeit. Außenpolitisch hob er die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, den Abzug der US-Truppen aus dem Irak und den Fahrplan für ein Ende des Militäreinsatzes dem Irak hervor. Zugleich präsentierte er sich als Verfechter sozialer Gerechtigkeit: "Jeder muss eine faire Chance bekommen. Und darum bewerbe ich mich um eine zweite Amtszeit." Der 44. US-Präsident stellt die Erfolge heraus und macht deutlich, dass auch er nicht rundum zufrieden ist. Im Bezug auf die noch immer mäßigen Wirtschaftszahlen erinnerte der Präsident daran, dass er sein Amt inmitten der größten Rezession seit den 1930er Jahren angetreten habe. "Wir geben nicht auf, gemeinsam kämpfen wir uns zurück", sagte Obama. Die jüngsten Zahlen vom Jobmarkt zeigten nur einen minimalen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 8,1 Prozent. Doch Obama beschwor seine Anhänger: "Wir machen Fortschritte." Neben dem Rückblick auf seine Erfolge stellte Obama die Themen Gerechtigkeit und Fairness in den Mittelpunkt seiner Rede. Diese nutze er auch dazu seinen voraussichtlichen Konkurrenten Mitt Romney zu attackieren.
Romney sei ein "Patrioten" und guten Familienvater, der eine erfolgreiche Karriere als Geschäftsmann hingelegt habe. Doch habe er "die falschen Lehren aus seinen Erfahrungen" gezogen und richte seine Politik einseitig auf die Reichen aus. Es sei ein Irrglaube, dass der Reichtum einiger Weniger dem Rest des Landes zugutekomme. Aus hohen Profiten entstünden nicht zwangsläufig bessere Jobs. "Die Republikaner im Kongress wollen genau zu jener Politik der Bush-Jahre aus Sozialkürzungen und Steuersenkungen für Millionäre zurückkehren, die uns in die Misere geführt hat" und Romney werde diese "schlechten Ideen" der Republikaner durchwinken, warnte Obama. "Wir dürfen ihm nicht die Gelegenheit dazu geben, denn dafür steht viel zu viel auf dem Spiel", forderte Obama seine Anhänger auf. Für Amerikas Mittelschicht gehe es "um alles oder nichts". Er trete für eine zweite Amtszeit an, weil er das Land modernisieren sowie in Bildung und Infrastruktur investieren wolle.
Allerdings ist der Präsident angeschlagen. Obama hat mit einer Rezession und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen, die soziale Kluft zwischen Arm und Reich ist so groß wie nie, viele Amerikaner sehen die Zukunft des Landes skeptisch. Erschwerend kommt hinzu, dass nach den Kongresswahlen am 2. November 2010 die Republikaner die Mehrheit im im Repräsentantenhaus übernommen haben und seither Obamas Politik blockieren. Ein 450 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm des Weißen Hauses hängt ebenso fest wie eine Reihe von Personalvorschlägen für Posten in Regierungsbehörden.
Die republikanischen Kandidaten

- Foto: IowaPolitics.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0.
Im Gegensatz zu den Demokraten suchen die Republikaner offiziell noch ihren Präsidentschaftskandidaten. Doch obwohl die Vorwahlen noch bis Ende Juni gehen, gilt der parteiinterne Wettbewerb um den Posten als entschieden. Nach dem Rückzug von Rick Santorum und Newt Gingrich sind nur noch zwei Bewerber im Auswahlverfahren übrig geblieben.
Nach den bisherigen Vorwahlen führt eindeutig der Ex-Gouverneur Mitt Romney. Allerdings ist es Romney nicht gelungen, im Republikaner-Lager auch nur annähernd eine solche Begeisterung auszulösen, wie es einst Obama bei den Demokraten gelungen war. Dazu kommt, dass sich das Rennen zwischen dem gemäßigten "Wirtschaftsmann" Mitt Romney und dem konservativen und tiefreligiösen Rick Santorum - bis zu dessen Rücktritt - zu einem Kampf um die Seele der Partei entwickelt hat. Inhaltliche Fragen spielten in den Auseinandersetzungen der beiden nur noch eine untergeordnete Rolle. Es ging um Werte und Religion: Wer ist der wirklich Konservative im Land? Lachender Dritter ist Barack Obama. Seine Umfragewerte steigen. Der noch verbliebene texanische Abgeordnete Ron Paul gilt als chancenlos.
In den Umfragen spricht sich eine klare Mehrheit von 50 Prozent für eine Nominierung Romneys aus. Und auch sein einstiger Rivale Rick Santorum hat seine Anhänger aufgefordert, Mitt Romney zu unterstützen. Zwar hatte er diesem früher vorgeworfen, kein echter Konservativer zu sein. Doch jetzt gehe es darum Obama zu schlagen, betonte Santorum.
Ergebnisse bei Real Clear Politics
Jetzt hoffen die Republikaner, dass sich Romney im Wahlkampf stärker auf die eigentliche Wahl im November konzentrieren kann. Nach der langen parteiinternen Auseinandersetzung soll nun der Wahlkampf gegen Obama im Mittelpunkt stehen. Doch die Konfrontation mit dem ultrakonservativen Santorum hat Romney inhaltlich geschadet. Nun versucht er, den Fokus wieder auf Wirtschaftspolitik zu lenken und sich stärker in der politischen Mitte zu positionieren. Das Wahlkampfteam Obamas versucht stattdessen außen- und sicherheitspolitischen Fragen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen und Romneys Kompetenzen in diesem Bereich als zweifelhaft darzustellen.
Noch aber stehen bis Juni weiter Vorwahlen der Republikaner an. Die nächsten Vorwahlen finden am 22. Mai in in Arkansas und Kentucky statt.
Um zum republikanischen Kandidaten gekürt zu werden, müssen die Bewerber mindestens 1.144 Delegierte hinter sich bringen.
Mitt Romney

- Foto: Mitt Romney Media, Jessica Rinaldi. Lizenz: CC BY 3.0.
Mitt Romney, ehemaliger Gouverneur von Massachusetts, gilt als der ungeliebte Favorit des republikanischen Vorwahlkampfs. Seit dessen Beginn führt er immer wieder die Umfragen an, kann die republikanischen Anhänger aber nicht wirklich begeistern. Aus diesem Grund wurde er in den Umfragen wiederholt von anderen Kandidaten überflügelt, die sich kurzzeitig als ideale Konservative inszenierten und dann doch enttäuschten. Seit dem Ausstieg seines härtesten Konkurrenten Rick Santorum gilt Romney Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten so gut wie sicher.
Romney hatte schon 2008 versucht, republikanischer Präsidentschaftskandidat zu werden, musste seine Kandidatur allerdings aufgrund seiner schlechten Chancen zurückziehen. Romney kann auf eine 25-jährige Laufbahn als Unternehmer und damit auf seine Wirtschaftskompetenz verweisen. Er gilt im Vergleich zu seinen republikanischen Mitbewerbern als moderat konservativ und wird nicht von der Tea-Party-Bewegung unterstützt. Sein großer Vorteil ist, dass er als breit wählbar gilt, was ihn als erfolgversprechenden Herausforderer Obamas bei den eigentlichen Präsidentschaftswahlen erscheinen lässt. Allerdings erscheint er Kritikern als zu glatt und profilarm. Außerdem gilt er als "Flip-Flopper", also einer, der seine Meinung mit dem Wind dreht. Viele Republikaner werfen ihm seine liberale Gesundheitsreform vor, die er in Massachusetts durchgesetzt hat. Bei christlich-konservativen Wählern stößt auf Ablehnung, dass er Mormone ist.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 16.05.2012): 912 (alle Zahlen CNN)
Ron Paul

- Foto: United States Congress
Ron Paul, texanischer Arzt und seit 30 Jahren Kongressabgeordneter, gilt als Außenseiter im Vorwahlkampf. Bisher konnte er noch keine Vorwahl gewinnen.
Paul ist ein Libertärer, was bedeutet, dass er zum einen den möglichst beschränkten Staat fordert. So will er mehrerer Bundesministerien auflösen, die Einkommensteuer und die US-Zentralbank abschaffen und zum Goldstandard zurückkehren. Zum anderen steht Paul für eine isolationistische Außenpolitik mit dem Rückzug aller US-Truppen aus dem Ausland. Solche Positionen gelten unter den Republikanern nicht mehrheitsfähig. Doch hat Paul eine treue Anhängerschaft, die sich stark für ihn einsetzt. Paul war schon 1988 und 2008 ein Bewerber um die republikanische Kandidatur. Seine Anhänger werfen den Medien vor, bei der Präsidentschaftswahl 2008 nicht ausreichend über ihn berichten zu haben und somit ein besseres Abschneiden verhindern zu haben.
Am 14. Mai gab Ron Paul bekannt, künftig kein Geld mehr für seinen Wahlkampf auszugeben. Damit ist er de facto aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandiatur ausgeschieden. Für den Nominierungsparteitag in Tampa will er allerdings weiter Stimmen sammeln.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 16.05.2012): 114 (alle Zahlen CNN)
Newt Gingrich (ausgeschieden)

- Foto: Gage Skidmore. Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Newt Gingrich hat nach nur 2 Siegen in 43 Vorwahlen seinen Ausstieg aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner erklärt. „Ich setzte meine Kampagne aus, aber das bedeutet nicht, dass ich meine Staatsbürgerschaft aussetze“, sagte der Ex-Parlamentspräsident am 2. Mai. Gleichzeitig deutete er seine Unterstützung für Romney an. So gehe es bei der Wahl am 6. November um eine "Entscheidung zwischen Mitt Romney und dem radikalsten, linkesten Präsidenten der amerikanischen Geschichte".
Noch kurz vor Beginn der Vorwahlen war Gingrich der Spitzenreiter in den Umfragen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Allerdings konnte er sich weder bei den Vorwahlen in Iowa, noch in New Hampshire durchsetzten und wurde jeweils nur Vierter. Erst mit den Vorwahlen in South Carolina gelang ihm der Sprung an die Spitze. Seitdem gewann Gingrich nur die Vorwahl Georgia und lag auch in Umfragen deutlich abgeschlagen hinter Romney.
Im Wahlkampf erlebt der 68-Jährige gerade ein politisches Comeback. In den Neunzigerjahren war er schon Sprecher des Repräsentantenhauses und Gegenspieler von Präsident Bill Clinton. Bei den Kongresswahlen 1994 führte er die Republikaner zu einem historischen Sieg und wurde vom "Time"-Magazin 1995 zum "Mann des Jahres" gekürt. Als Sprecher des Repräsentantenhauses blockierte er dann aber über Monate den Haushalt Präsident Bill Clintons und spielte in dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren von Clinton eine unrühmliche Rolle. Als herauskam, dass er zur selben Zeit selbst eine außereheliche Affäre hatte, musste er sich aus der Politik zurückzuziehen und galt als unpopulärster Politiker Amerikas.
Nach seiner Politikkarriere gründete Gingrich verschiedene Beraterfirmen und erhielt dabei unter anderem 1,6 Millionen Dollar von der Hypothekenbank Freddie Mac. Eine Bank, die vom US-Staat während der Finanzkrise gerettete werden musste. Ein Vorgehen, das Gingrich in der Öffentlichkeit stets kritisiert hatte. Doch nicht seine unrühmliche Vergangenheit gilt als Newt Gingrich wirkliches Problem, sondern das Geld. Da seine Kandidatur im Sommer als völlig aussichtslos galt, konnte er kaum Spenden sammeln. Die "New York Times" errechnete, dass Gingrich bis Ende September gerade einmal 2,9 Millionen Dollar für seine Kampagne sammeln konnte; Mitt Romney dagegen 32 Millionen. Dennoch gilt Gingrich als ernst zu nehmender Konkurrent für Romney.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 25.04.2012): 145 (alle Zahlen CNN)
Rick Santorum (ausgeschieden)

- Foto: Gage Skidmore. Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Rick Santorum, erzkonservativer Ex-Senator aus Pennsylvania, entwickelte sich im Laufe der Vorwahlen neben Romney zum Favoriten. Bei der ersten Vorwahlen in Iowa wurde er nachträglich mit 34 Stimmen Vorsprung zum Sieger vor Mitt Romney erklärt. Seitdem konnte er sechs weitere Vorwahlsiege erringen und das, obwohl er nur über verhältnismäßig geringe finanzielle Unterstützung verfügt. Doch bei den Religiösen auf dem Land und den Anhänger der Tea Party kommt gerade diese Außenseiter-Attitüde des sich als frommer Katholik gebenden Santorum gut an. Doch am 10. April erklärte Santorum in Gettyburg, Pennsylvania: „Wir werden heute unsere Kandidatur ruhen lassen“. Konkrete Gründe für diese Entscheidung nannte er nicht. Allerdings waren Santorums Chance republikanischer Präsidentschaftskandidat zu werden, trotz seiner Erfolge, gering. Romney lag bei den Delegiertenstimmen so gut wie uneinholbar vorne. Bei den letzten Vorwahlen hatte Santorum eine bittere dreifache Niederlage einstecken müssen und selbst in seinem Heimatstaat Pennsylvania sahen die Umfragen einen Sieg Romneys voraus. Trotz seines Rückzugs aus dem Wahlkampf kündigte Santorum kündigte an, sich auch künftig einmischen zu wollen. „Der Kampf ist noch nicht zu Ende“. Ob er Romney zukünftig unterstützen wird, ließ der Ex-Senator allerdings offen.
Der Jurist wurde 1990 in das US-Repräsentantenhaus gewählt und war 1995 bis 2007 Senator. Zuletzt war er Vorsitzender der Senate Republican Conference, die dritthöchste Hierarchiestufe für republikanische Senatsmitglieder. Bei den Kongresswahlen 2006 musste Santorum allerdings eine herbe Niederlage hinnehmen. Er verlor mit 18 Prozentpunkten Abstand gegen seinen demokratischen Herausforderer. Jetzt kandidiert er für die Präsidentschaftswahlen im November 2012. Der praktizierende Katholik ist mit seinen selbst für die Republikanische Partei extrem konservativen Ansichten die Identifikationsfigur der christlichen Konservativen. Er will Abtreibungen verbieten, bezweifelt die Evolution und setzt sich gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein. Außerdem will er eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, um illegale Einwanderer zu stoppen. Er hat angekündigt als Präsident die Gesundheits- und Finanzreform Obamas zurückzunehmen und befürwortet ein militärisches Engagement der USA in Syrien und notfalls auch im Iran.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 04.04.2012): 274 (alle Zahlen CNN)
Rick Perry (ausgeschieden)

- Foto: Gage Skidmore. Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Rick Perry, Gouverneur von Texas, galt nach seiner Kandidatur im September 2011 als aussichtsreichster Kandidat und lag in den Meinungsumfragen bezüglich des republikanischen Präsidentschaftskandidaten vorne. Doch wirkte er in vielen TV-Diskussionsrunden unsicher und unvorbereitet und hat dadurch viel Zustimmung eingebüßt. Bei den Vorwahlen konnte Perry bisher noch keine großen Erfolge verzeichnen. Doch hofft er sich im konservativen South Caroline durchsetzten zu können. Perry gibt sich als konservativer Hardliner und scharfer Kritiker der Bundesregierung in Washington. Perry blickt zwar auf eine lange politische Karriere in Texas zurück, doch hat er auf der nationalen Ebene weder Erfahrung noch große Bekanntheit. Dennoch werden ihm gute Chancen eingeräumt, sich gegen seine innerparteilichen Konkurrenten durchzusetzen. Einige Republikaner befürchten jedoch, dass Perry mit seinen extrem konservativen Ansichten moderate Wähler abschrecken könnte.
Am 19 Januar zog Rick Perry seine Kandidatur nach zwei enttäuschenden Vorwahlergebnissen und schlechten Umfragewerten in South Carolina zurück. Perry gab außerdem bekannt, künftig die Kandidatur von Newt Gingrich zu unterstützen.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Homepage: Rick Perry for President 2012
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 11.01.): 2 (alle Zahlen CNN)
Michele Bachmann (ausgeschieden)

- Foto: Office of Congresswoman Michele Bachmann
Michele Bachmann, Kongressabgeordnete aus Minnesota, hatte Mitte August 2011 die nicht bindende Testwahl in Ames, Iowa für sich entscheiden können und galt anschließend als aussichtsreiche Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur. Seit diesem Erfolg hat sie allerdings Probleme sich zu profilieren und ist in den Umfragen deutlich zurückgefallen. Bachmann versucht, sich als einzig wahre Vertreterin der Tea Party darzustellen. An ihren erzkonservativen Überzeugungen zweifelt auch niemand. Allerdings gilt sie wegen diesen auch in der Republikanischen Partei als kaum mehrheitsfähig. Weitere Schwächen sind ihre fehlenden politischen Erfolge und ihre Neigung zu unüberlegten Äußerungen. So hat sie den Wirbelsturm "Irene" als Botschaft Gottes an Washington bezeichnet.
Nach dem schlechten Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa zog Bachmann ihre Kandidatur zurück.
Politische Laufbahn und politische Positionen
Homepage: Michele Bachmann for President
Bisher erreichte Delegiertenstimmen (Stand 04.01.): 0 (alle Zahlen CNN)
Weitere Kandidaten
Neben diesen sechs Kandidaten gibt es noch weitere republikanische Bewerber, denen Experten allerdings wenig Chancen zurechnen.
Jon Huntsman, früherer Gouverneur von Utah, war für Obama US-Botschafter in China und unterstützt den jüngsten Schuldenkompromiss. Bisher ist er nur schwer ins Rennen gekommen, nicht zuletzt, weil die Presse bisher kaum über ihn berichtet. Wie Romney ist er Mormone. Nachdem er bei den ersten beiden Vorwahlen nur auf 2 Delegiertenstimmen gekommen war, zog Huntsmann am 16. Januar seine Kandidatur zurück. Künftig wird er Mitt Romney bei dessen Bewerbung unterstützen
Buddy Roemer, ehemaliger Gouverneur von Louisiana, konnte bis jetzt wenig Reden von sich machen.
Herman Cain, Radiomoderator und ehemaliger Chef einer Pizza-Kette, schaffte es im Herbst sich vom Außenseiter zum Spitzenreiter in den Umfragen zu mausern. Im September konnte er in Florida eine unverbindliche Probeabstimmung unter republikanischen Parteigängern für sich entscheiden. Bald wurden allerdings Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiterinnen laut, Cain habe sie sexuell belästigt. Cain wies diese Vorwürfe zwar von sich, musste seine Aussagen aber wiederholt korrigieren. Als auch noch eine Frau erklärte Jahre lang ein Verhältnis mit dem verheirateten Cain gehabt zu haben, zog Cain seine Kandidatur zurück.
Der frühere Gouverneur vom Minnesota, Tim Pawlenty, hat seine Kandidatur schon nach dem Straw Poll zurückgezogen, nachdem er trotz monatelanger Vorbereitung bei der Testwahl nur Dritter wurde. Auch Thaddeus McCotter, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, und Gary Johnson zogen ihre Kandidatur jeweils wieder zurück. Gary Johnson, Ex-Gouverneur von New Mexiko, tritt inzwischen für die Libertarian Party als Präsidentschaftskandidat an.
Sarah Palin, über deren mögliche Kandidatur lange spekuliert wurde, hat im Oktober verkündet, nicht kandidieren zu wollen.


