Wahlspots im US-Wahlkampf

Kleber erklärt - ZDF, heute.de

"Die Amerikaner haben eine lange Tradition in schmutzigen Wahlkämpfen. Aber das, was jetzt läuft, stellt alles in den Schatten" - so kommentiert der ZDF-Fernsehmoderator Claus Kleber den aktuellen US-Wahlkampf zwischen Donald Trump (Republikaner) und Hillary Clinton (Demokraten). (Quelle: ZDF, heute.de)



Welche Rolle spielen Fernsehspots für den US-Wahlkampf?

Neben den drei Präsidentschafts-Debatten spielen bezahlte Wahlspots im Fernsehen eine besondere Rolle für den US-Wahlkampf. Ein Großteil des Kampagnenbudgets von Trump und Clinton fließt deshalb in diesen Bereich. Vor allem in den umkämpften "Swing States" werden in den Wochen und Monaten vor der Wahl viele TV-Spots geschaltet.

In Deutschland sind sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Fernsehsender verpflichtet, vor den Bundestagswahlen den zugelassenen Parteien kostenlose Sendezeit für Wahlwerbespots einzuräumen. (Quelle: Landesmedienanstalten). Bezahlte Wahlwerbung außerhalb dieser begrenzten Zeit ist unzulässig.

In den USA gibt es keine vergleichbare Regelung: Parteien müssen also Sendezeit im Fernsehen (sowie im Radio und im Internet) kaufen - das macht einen großen Anteil des Wahlkampfbudgets aus.

Wie teuer sind Fernsehspots?

Hillary Clinton hat bereits im April 2015 begonnen, Fernsehspots zu senden. In den letzten Wochen des Wahlkampfes konzentriert sie sich auf umkämpfte "Swing States", aber auch auf eigentlich republikanisch dominierte Staaten wie Arizona und Texas. Bis Ende Oktober hat Clinton etwa 173 Millionen Dollar für TV-Wahlwerbung ausgegeben.

Donald Trump zeigt sich auch hier unberechenbar. Bis Mitte August schaltet seine Kampagne keinen eigenen TV-Spot. Sein Team setzte auf genügend Aufmerksamkeit durch Berichterstattung in der Presse und Fernsehshows. Im Oktober gab sein Team erstmals in einer Woche mehr Geld für TV-Spots aus als Clintons Team. Doch insgesamt hat er bislang nur etwa 58,4 Millionen Dollar für Fernsehwerbung ausgegeben (Quelle: Washington Times).

Den bisherigen Rekord wird die Präsidentschaftswahl 2016 allerdings wohl nicht brechen: 2012 gaben Obama und Romney zusammen über eine Milliarde Dollar für Wahlwerbespots aus. Barack Obama zahlte für einen halbminütigen TV-Spot während des Endspiels der US-Football-Liga (Super Bowl) geschätzte 100.000 Dollar pro Sekunde.

Hillary Clintons 1. TV-Spot: "Getting Started"

Getting Started | Hillary Clinton (YouTube: Veröffentlicht am 12.04.2015)


Nur zwei Tage, nachdem Hillary Clinton ihre Kandidatur als künftige US-Präsidentin angekündigt hatte, schaltete ihr Team den TV-Spot "Getting Started". Die damals 68-jährige Clinton kämpfte damit, dass sie seit Jahrzehnten zum Polit-Establishment gehörte - zunächst als First Lady an der Seite von Bill Clinton (Demokraten), dann als New Yorker Senatorin und US-Außenministerin. Ihre Kandidatur als "Aufbruch" und "Neuanfang" zu vermitteln, fiel deshalb schwer. Im TV-Spot setzt sie deshalb auf die junge Paare und Familien sowie "einfache Amerikaner", die von ihren eigenen Aufbrüchen erzählen.

Donald Trumps 1. TV-Spot: Einwanderung und Terrorismus

Two Americas: Immigration (YouTube: Veröffentlicht am 18.8.2016)

In seinem ersten Fernseh-Werbespot, der erst knapp drei Monate vor den US-Wahlen ausgestrahlt wurde, stellt Donald Trump (Republikaner) seine Vision von den USA der (vermeintlichen) Vision seiner Gegnerin Hillary Clinton (Demokraten) gegenüber:  Clinton wolle dafür sorgen, dass syrische Flüchtlinge das Land überfluten und illegale Einwanderer nicht einmal abgeschoben werden, wenn sie kriminell werden; Trump hingegen werde die USA wieder sicher machen, die Grenzen schützen und Terrorismus verhindern.

Das Prinzip der Gegenüberstellung von "Clinton´s America" und "Trump´s America" hat die Kampagne Trumps in vielen weiteren Spots beibehalten (bsp. Thema Wirtschaftspolitik).

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Negative Wahlspots

Viele Wahlspots im US-Wahlkampf betonen nicht (nur) die Stärken des eigenen Kandidaten, sondern die Schwächen des gegnerischen Kandidaten. "Negative Campaigning" ist ein Kennzeichen des amerikanischen Wahlkampfes - aber nicht nur in den USA anzutreffen. In den vergangenen Monaten haben verschiedene Medien unterschiedliche Vorwürfe gegen Hillary Clinton und Donald Trump recherchiert - diese Vorwürfe tauchen auch in den Fernseh-Wahlspots der beiden Kandidaten wieder auf.

Trump-Wahlspot: "Deplorables" ("Die Erbärmlichen")

Team Trump: Deplorables (YouTube: vom 11.09.2016)


Bei einer Fundraising-Veranstaltung sagte Hillary Clinton, dass die Hälfte von Trumps Wähler/-innen in einen "basket of deplorables" gehöre, also in einen "Korb von Erbärmlichen". Diese seien "Sexisten, Rassisten, Homophobe, Xenophobe, Islamophobe". Diesen Ausspruch - von dem sich Clinton im Nachhinein teilweise distanzierte - thematisiert der TV-Spot und wirft Clinton vor, "hart arbeitende Menschen boshaft zu dämonisieren".

Clinton-Wahlspot: "Sacrifice" ("Opfer")

Wahlspots Clinton: "Sacrifice" (Opfer)  (YouTube: Veröffentlicht am 06.09.2016)


In den USA bilden aktive und ehemalige Angehörige des Militärs eine große und einflussreiche Gruppe. Donald Trump hat mit vielen kontroversen Aussagen viele von ihnen verärgert: beispielsweise hat Trump bezweifelt, dass der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain tatsächlich ein Kriegsheld sei - schließlich sei er in Vietnam in Gefangenschaft geraten. Diese Zitate fasst Clintons Kampagne im TV-Spot "Sacrifice" zusammen.

Trump-Wahlspot: Wirtschaftspolitik

Two Americas Economy | Donald J. Trump For President (Veröffentlicht am 26.09.2016)


Donald Trump hat eine Serie von Wahlspots mit dem Titel "Two Americas" produziert, in denen er seine Vision von den USA der (vermeintlichen) Vision von Hillary Clinton gegenüberstellt. In diesem Wahlspot geht es um Wirtschaftspolitik: während Clinton mit Steuererhöhungen und höheren staatlichen Ausgaben Jobs vernichten wolle, werde Trump mit Steuererleichterungen für die Schaffung neuer Jobs, das Florieren kleiner Geschäfte und Gehaltserhöhungen sorgen, heißt es im Spot.

Clinton-Wahlspot: Trumps Sexismus

 Mirrors | Hillary Clinton (YouTube: Veröffentlicht am 23.09.2016)


Im TV-Spot "Mirrors" ("Spiegel") zeigt Clintons Kampagne junge Mädchen, die sich vor dem Spiegel betrachten. Die Sequenz ist unterlegt mit despektierlichen Aussagen von Donald Trump, die er vor allem über das Aussehen verschiedener Frauen in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat. Dann wird ein Fernsehinterview eingeblendet, in dem Trump sagt, er könne von sich nicht sagen, dass er Frauen respektiere. Der Spot endet mit der rhetorischen Frage: "Ist das der Präsident, den wir für unsere Töchter wollen?"

Trump-Wahlspot: Rundumschlag

The Speech | Donald J. Trump for President (Veröffentlicht am 21.09.2016)


In diesem Clip fasst Trump alle Vorwürfe gegen seine Gegnerin in Kurzform zusammen: unter einer Präsidentin Clinton würden die Steuern weiter steigen, Terrorismus würde sich verbreiten und Insider aus Washington würden weiterhin die Politik kontrollieren: "Amerikaner würden ihre Jobs, ihr Zuhause und ihre Hoffnung verlieren". Würde Trump Präsident, würden die Menschen wieder Arbeit finden und in Sicherheit leben können - "der amerikanische Traum wäre wieder in Reichweite".

Clinton-Wahlspot: Trumps Vorbildfunktion

Role Models | Hillary Clinton (YouTube: Veröffentlicht am 14.07.2016)

Clintons TV-Spot stellt die Frage nach der Vorbildfunktion Trumps als möglicher US-Präsident. Dazu werden im Clip Bilder von Kindern vor dem Fernseher mit besonders kontroversen und anstößigen Aussagen Trumps montiert: der republikanische Kandidat flucht ("f*ck), behauptet von sich, dass er auf einer belebten Straße jemanden erschießen könne, ohne Wähler/-innen zu verlieren, und beschuldigt eine kritische Reporterin, nur wegen ihrer Menstruation gereizt zu sein. Der Spot endet mit der Einblendung: "Unsere Kinder schauen zu. Was für ein Beispiel werden wir ihnen geben?"

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Clinton-Wahlspot: Einwanderung

Families Together | Hillary Clinton (YouTube: Hochgeladen am 17.09.2016)

Der TV-Spot bezieht sich auf die Pläne Donald Trumps in Bezug auf illegale Einwanderer: der republikanische Kandidat hat angekündigt, diese verstärkt abzuschieben. In Fällen, in denen die (in den USA geborenen) Kinder die amerikanische Staatsbürgerschaft haben, würde das zu einem Auseinanderreißen der Familien führen, so die Botschaft des TV-Spots. Hillary Clinton würde sich hingegen dafür einsetzen, dass Familien zusammenbleiben können. Die Wahlwerbung zeigt die demokratische Kandidatin, die viele Amerikaner/-innen für berechnend und gefühlskalt halten, als Fürsprecherin von Kindern und Familien. Ihre soziale Seite und Fürsorgepflicht sollen hervorgehoben werden.

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Quellen

Die Positionen der einzelnen Kandidaten beruhen primär auf Aussagen, die sie auf ihren eigenen Webseiten veröffentlicht haben. Diese finden Sie unter Hillary Clinton und Donald Trump. Weitere Zitate und Statements stellt die unabhängige Organisation "on the issues" auf ihrer Website zu den Kandidaten bereit. Einen Überblick zu den Positionen im Vergleich bieten auch die New York Times und die Welt.