Wie hoch war die Wahlbeteiligung bei den US-Wahlen 2016?

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Nach Auszählung aller Stimmen in den US-Bundesstaaten liegt die Wahlbeteiligung für die US-Präsidentschaftswahlen vom 8. November 2016 bei 58,9 Prozent (Quelle: "United States Elections Project", Stand: 20. Dezember 2016). Die Wahlbeteiligung war demnach sogar etwas höher als im Jahr 2012, als Amtsinhaber Barack Obama (Demokraten) gegen Mitt Romney (Republikaner) gewann - damals stimmten ebenfalls 58,0 Prozent der Wahlberechtigten ab (Quelle: United States Elections Project).

Nach der Wahl am 8. November hieß es zunächst, dass die Unbeliebtheit der Kandidaten Donald Trump (Republikaner) und Hillary Clinton zu einer niedrigen Wahlbeteiligung geführt habe - diese Einschätzung hat sich als falsch erwiesen.

(Anmerkung zur Methodik: Die Zahlen beziehen sich darauf, wie viele Wahlberechtigte für einen Präsidentschaftskandidaten abgestimmt haben ("voter turnout rate for the highest office"). Da am 8. November 2016 in den USA auch über zahlreiche andere Amtsträger/-innen abgestimmt wurde (US-Senat, US-Abgeordnetenhaus, etc.), war die allgemeine Wahlbeteiligung leicht höher (2016: 60 Prozent, 2012: 58,6 Prozent).)

Welche Auswirkungen neue Wahlgesetze auf die Wählerbeteiligung 2016 hatten, beschreibt der US-Fernsehsender PBS in einer Analyse. Das offizielle Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen 2016 wird laut US-Regierung voraussichtlich erst Mitte 2017 von der Federal Election Commission (FEC) veröffentlicht.

 

 

Werden Minderheiten bei den US-Wahlen benachteiligt?

Minderheiten bei den US-Wahlen

(Für die Präsidentschaftswahlen am 8. November 2016 liegen noch keine Zahlen zur Wahlbeteiligung unterschiedlicher ethnischer Gruppen vor. Sobald diese vorliegen, werden wir diese berücksichtigen.)

Angehörige von Minderheiten, besonders schwarze Wähler/-innen, wurden bei Wahlen in den USA lange benachteiligt. Zwar erhielten frühere (männliche) Sklaven bereits 1870 theoretisch das Wahlrecht - doch einzelne US-Bundesstaaten konnten dieses Recht in der Praxis stark einschränken.

Schwarze Bürger/-innen mussten in manchen, v.a. in südlichen Bundesstaaten beispielsweise sogenannte "literacy tests" bestehen, um als Wähler/-innen registriert zu werden. Sie mussten dabei nicht nur Lese- und Schreibkenntnisse nachweisen, sondern häufig auch lange Fragenkataloge zu abseitigen rechtlichen Aspekten bsp. der Verfassung beantworten (Beispiele für "literacy tests"). Manche Bundesstaaten erhoben besondere Steuern, wenn jemand sein Wahlrecht ausüben wollte. Solche Praktiken wurden durch den Voting Rights Act von 1965 weitgehend verboten.

Trotzdem gibt es bis heute Vorwürfe gegen einzelne Bundesstaaten, dass sie durch eine restriktive Wahlgesetzgebung versuchen, den Anteil von bsp. schwarzen Wähler/-innen niedrig zu halten. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob man einen Ausweis mit Foto braucht, um sich als Wähler/-in registrieren zu lassen. Die Bundesstaaten haben auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Zulässigkeit von Briefwahlen oder der Frage, ob man sich noch am Wahltag registrieren lassen kann. Erst im Juli 2016 haben US-Gerichte restriktive Wahlgesetze in drei Bundesstaaten gekippt (Quelle).

Die Wahlbeteiligung von Minderheiten war lange Zeit wesentlich niedriger als bei weißen Wähler/-innen. Allerdings hat sich das in den vergangenen Jahren geändert: bei den letzten zwei Präsidentschaftswahlen war die Beteiligung schwarzer Wähler/-innen überdurchschnittlich, wozu sicherlich auch die Mobilisierungswirkung von Barack Obama beigetragen hat. Bei den Wahlen von 2012 war die Beteiligung unter schwarzen Wähler/-innen (66,2 Prozent) sogar höher als bei weißen Wähler/-innen (64,1 Prozent) (Quelle: US-Census Bureau).

U.S. Census Bureau: The Diversifying Electorate—Voting Rates by Race and Hispanic Origin in 2012

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